Gabriela Volanti

1969 in Augsburg geboren. Dort Fachhochschule für Gestaltung.
Anschließend Akademie der Künste in München. 1999 DAAD Paris
Seit 2000 in Berlin

Anschrift

 

volanti@berlin.de

 

 

 

Gabriela Volanti

Ab dem Jahr 2002 beginnt die Künstlerin Gabriela Volanti damit, eigene - zunächst vorwiegend monochrome Ölbilder zu vernähen. Sie entwickelt dabei eine höchst eigentümliche - soweit ersichtlich vollkommen eigenständige und vorbildlose - Produktionsweise: Die Leinwand wird von der Künstlerin zunächst gerafft und die so nach hinten sich bildende Falte wird mit der Nähmaschine vernäht, so dass auf der Oberfläche des Bildes der verfaltete Bildteil verschwindet und die sichtbaren Teile des Gemäldes „zusammenrücken“, zugleich erscheinen die Nähte als eigenes Bildelement, während das „Weggefaltete“ nur auf der Bildrückseite mit der farblosen Leinwand sichtbar bleibt. Die Technik besteht also nicht in der Schaffung einer Collage durch das Zusammen-Nähen verschiedener Bildvorlagen, sondern durch das Raffen an der Naht, wodurch Bilder und Textblöcke "zusammenrücken", ohne das die Integrität des Blattes aufgehoben wird. Das Verfahren ist virtuell reversibel: Bei Auftrennen der Naht, ließe sich die Leinwand wieder spannen und in ihren ursprünglichen Zustand (abgesehen von den Nahtstichen) zurückversetzen. Die Leinwand wird vor dem Nähen nicht zerschnitten, fernliegende oder Teile aus anderen Leinwänden werden nicht zusammengefügt. Das Nähen unterscheidet sich also grundsätzlich von jeder Collagetechnik, sondern besteht in einem Raffen, einem Zusammenrücken, einer strukturbildenden Konzentration des Ausgangsgemäldes.
Ab dem Jahr 2010 wendet die Künstlerin diese Technik auch - teilweise unter Kombination mit der klassischen Collagetechnik - auf Papierarbeiten und insbesondere auf Arbeiten, die Zeitungsseiten zum Ausgangspunkt nehmen, an, wobei mindestens drei zu unterscheidende Werkgruppen entstanden sind: zum Einen raffende, ebene Vernähungen, zum anderen Fächer und schließlich mit X-Nähten vollständig übernähte, textabdeckende Arbeiten. Hierbei führt die Künstlerin ihre an Ölbildern entwickelte Technik konsequent fort: die Komprimierung von Bild und Text, ein Zusammenrücken der Inhalte und Formen, die als Folge gedacht wird vom Ausgangspunkt. Bestimmend nach den eigenen Worten der Künstlerin ist „nicht ein Wille, etwas Neues zu denken, sondern der Anspruch, etwas weiter zu denken, um eventuell etwas Neues entstehen zu lassen, den Arbeitsprozess zu einer Methode werden zu lassen, bei welchem eine Zeitspanne des Beobachtens ermöglicht wird. Selbst wenn dann ein Werk entstanden ist, welches zu einem anderen Zeitpunkt, in anderer Umgebung, zur Betrachtung freigegeben wird.“

Text Stefan Hain

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